berichte, programm, Programm : Franzobel und Bertl Mütter, „Oide Hoda’n“
Franzobel und Bertl Mütter, „Oide Hoda’n“
Fr, 12.09.08, 20:00 Uhr
Einen Jux woll(t)en sie sich machen
Da haben sie aber geschaut, die zwei Herren Franzobel und Bertl Mütter, als sie am Kürnberg gelandet waren: Ein ihnen bekannter, vermeintlich vom Kürnberg stammender Minnesänger aus ferner Zeit hatte sie zu der Annahme verleitet, es mit einer Burg zu tun zu haben.
Aber gut, der etwas in die Jahre gekommene Saal des Gasthaus Huber stellte sie auch zufrieden und hielt die beiden nicht davon ab, mit „Radikalsatiren ohne Pointe“ (O-Ton) Denkapparate und Lachmuskeln des exquisiten Publikums zum Schwitzen zu bringen.
Wer schon jetzt ins Grübeln kommt, da die Namen bei ihm nur Kopfschütteln hervorrufen, dem sei gesagt: Bei Franzobel handelt es sich um einen der etabliertesten Schriftsteller Österreichs – mit leichtem Hang zum Vulgären – und bei Bertl Mütter um seinen kongenialen Partner und Posaunisten. Ersterer kann mit klingenden Auszeichnungen wie dem Bachmann-Preis 1995 oder der Brecht-Medaille aufwarten; letzterer verweigert sich konventionellen Kategorien vehement. Gemeinsam bearbeiteten sie die Sponsorenliste von „Kürnberg fliegt“ in Bezug auf die – unabhängig dazu – vorbereiteten Texte. So trafen sich zu freitagabendlicher Stunde am Kürnberg im „Höhenrausch“ ein Speck-Dackel und die Tierklinik und ein getexteter Fall von Inzucht wurde der Medienagentur „die Besorger“ zugeschrieben.
Das zahlreich erschienene Publikum quittierte die Spontan-Gags mit zunehmender Heiterkeit.
Ein Abend mit kabarettistischer Literatur und literarischem Kabarett, untermalt von einer Zugposaune mit höhenluftbedingter Dämpfung – eine letzte Pirouette vor der geplanten sanften Landung im Doppelchor am Samstag, 13.9.2008.
Bleibt die Frage: Was macht der Kürnberg, wenn er nicht mehr fliegt? Hat sich die Lufthansa schon mit einem Übernahmeangebot gemeldet? So attraktiv wie die (benzinlose) Alitalia und die AUA ist er allemal!
Konzertbericht von Julius Schlögl










